Durch ihre Taten in der Vergangenheit und die Tatsache, dass sie sich vom Blut anderer ernähren, haben Vampire keinen besonders guten Ruf. Die Jahrhunderte anhaltende Versklavung von Gestaltwandlern hat das Vertrauen in die Rasse nachhaltig erschüttert, und die Gerüchte, dass sie selbiges auch mit den Werwölfen versucht haben, sind hierbei auch nicht gerade hilfreich. Auch streben viele Vampire nach Positionen der Macht, sei es in Politik oder Wirtschaft, und über die Jahrhunderte haben sie so viele historische Ereignisse nach ihrem Willen beeinflusst. All dies trägt nicht unbedingt dazu bei, Vampiren Vertrauen entgegen zu bringen. Und häufig ist diese Vorsicht ihnen gegenüber auch sehr gerechtfertigt.
Da Vampire sich nur in Dunkelheit und bei Nacht draußen bewegen können, gehen viele von ihnen Berufen nach, die entweder gar kein persönliches Erscheinen erfordern, oder denen man unauffällig nachts nachgehen kann. Vor allen Dingen ältere Vampire sind häufig in Positionen, in denen sie ihr bis dahin angehäuftes Vermögen für sich arbeiten lassen und selbst aus dem Hintergrund die Fäden ziehen. Der Aufstieg der Börsen kam ihnen dabei durchaus zugute, und nicht wenige munkeln, dass das Wertpapiergeschäft von ihnen initiiert wurde genau deswegen.
Darüber hinaus gehören Vampire in aller Regel einer von zwei Fraktionen an: Dem Haus der Schatten oder dem Haus des Bluts. Es gibt nur wenige Vampire, die sich abseits dieser Gruppierungen auf eigene Faust durchzuschlagen versuchen.
Gegründet 1648 in Europa und seit Anfang des 19. Jahrhunderts auch in Amerika aktiv, haben beide Häuser in allen größeren Metropolen der Welt inzwischen Zweigstellen, die mehr oder weniger unabhängig in ihrer jeweiligen Stadt versuchen, die Oberhand zu gewinnen.
Lediglich auf dem Afrikanischen und dem Asiatischen Kontinent konnten sich die beiden Häuser nicht durchsetzen. Dort vereinigen sich die Vampire in aller Regel in Familienclans.
Haus der Schatten
Das Haus der Schatten hat sich dem Prinzip der Heimlichkeit verschrieben. Die Mitglieder wollen sich vor den Augen der Menschen verbergen und sie nicht versehentlich auf das Übernatürliche aufmerksam machen, sondern aus den Schatten heraus die Fäden ziehen und die Geschicke der Menschen lenken. Sie setzen hierbei auf Täuschung, Geheimhaltung, Intrigen und geschickte Einflussnahme.
Das Haus der Schatten folgt dabei einem strengen Kodex. In ihm werden folgende Punkte definiert:
1. Geheimhaltung
2. Umgang mit sterblichen
3. Folgen bei Mord an anderen Vampiren
4. Verantwortung gegenüber den eigenen Nachkommenschaft
5. Domänenrechte
Dennoch agiert jedes Sanktum – ein anderer Name für die Mitglieder des Hauses der Schatten an einem Ort – unabhängig und kann eigene Regeln hinzufügen. Es gibt keine übergeordnete Organisation und selbst Konflikte zwischen verschiedenen Städten sind möglich. Üblicherweise hält man aber mit den Häusern benachbarter Städte einen positiven Kontakt.
Den lokalen Mitgliedern ist es freigestellt, ob sie im Hauptquartier des Hauses wohnen wollen oder eine private Unterkunft beziehen. Auch ist es möglich, eine bezahlte Anstellung im Sanktum zu erhalten.
Das Haus der Schatten arbeitet bei Notfällen auch mit anderen Rassen zusammen, um die Existenz des Übernatürlichen vor den Menschen zu verschleiern. Daher jagt das Haus der Schatten alle Irati, die sie bemerken, und führt eine rote Liste über Personen, die mit ihrem Verhalten die Geheimhaltung des Übernatürlichen gefährden. Personen auf dieser Liste werden hingerichtet, wenn man sie erwischt.
Die Hierarchie des Haus der Schatten gliedert sich folgendermaßen:
Priscus: Als Anführer eines Sanktums entscheidet der Priscus über die Politik des Hauses. Üblicherweise wird diese Position vom ältesten Vampir der Stadt bekleidet, sofern dieser nicht freiwillig verzichtet. Der Priscus ist vergleichbar mit einem lokalen Fürsten.
Marschall: Der Berater und Stellvertreter des Priscus kümmert sich häufig neben der Unterstützung des Priscus um die Sicherheit des Sanktums und die diplomatischen Beziehungen. Er wird vom jeweiligen Priscus unabhängig von dessen Alter bestimmt.
Wächter: Die Wächter bilden die Kämpfer des Sanktums. Sie nehmen an Außeneinsätzen teil, beispielsweise zur Vertuschung von Fehltritten oder der Jagd auf Irati. Außerdem patrouillieren sie in der Stadt und sorgen für die Sicherheit und Verteidigung des Sanktums. Unter den Wächtern kann es auch Spezialisten für einzelne Kampftechniken oder Aufgaben geben.
Sammler: Die Sammler kümmern sich um die Blutversorgung des Sanktums. Sie suchen, manipulieren oder überzeugen Blutspender, sowohl menschliche als auch übernatürliche. Dabei müssen sie besonders vorsichtig vorgehen, um die Geheimhaltung zu gewährleisten.
Hüter: Hüter kümmern sich vor allen Dingen um Aufgaben innerhalb des Hauptquartieres. Vom Chronisten über den Elektriker bis hin zum IT-Spezialist kann dies alle Aufgaben umfassen. Manche Hüter verschreiben sich auch der Aus- und Weiterbildung der anderen Mitglieder oder leisten psychologischen Beistand.
Gefolge: Mitglieder ohne feste Aufgabe im Sanktum nennt man einfach Gefolge. Dies umfasst hauptsächlich junge Vampire und die wenigen, eingeweihten Menschen, die als Bedienstete oder Informanten arbeiten.
Haus des Blutes
Im Gegensatz zum Haus der Schatten glauben die Vampire des Haus des Blutes daran, dass die Vampire den anderen Rassen überlegen sind und insbesondere die Menschen daher den Vampiren dienen sollten. Deshalb halten sie auch nichts von der Geheimhaltung, die ihre Kontrahenten predigen. Allerdings sind sie nicht dumm und wissen natürlich um die negativen Folgen für sich selbst, wenn sie sich offenbaren. Das große Ziel dieses Hauses ist aber dennoch nichts geringeres als die Herrschaft über alle Lebenden, was Geheimhaltung schließlich überflüssig machen würde.
Der Tod eines Menschen oder anderen Übernatürlichen ist für sie dabei bedeutungslos, selbst das Leben von Vampiren kann geopfert werden, wenn es dem großen Endziel dient. Es gilt das Recht des Stärkeren, des Listigeren und die persönliche Macht des Einzelnen.
Auch wenn dieses Haus mehr ältere Vampire aufzuweisen hat als das Haus der Schatten, liegt darin auch eine gewisse Schwäche: Viele der sehr alten Vampire sind ihrer eigenen Menschlichkeit entrückt und haben Anpassungsschwierigkeiten an die moderne Zeit. Insbesondere die moderne Technik stellt für viele eine Hürde dar, die sich nur schwer überwinden lässt.
Die Hierarchie im Haus des Blutes ist sehr flach gehalten:
Graf/Gräfin: Der Vampir, der sich gegen die anderen Vampire des Hauses am besten durchsetzen kann und die nötige Macht und den nötigen Rückhalt unter den Mitgliedern inne hat, um diese Position auch zu halten, führt das Haus des Blutes an. Ein Machtwechsel erfolgt in der Regel recht blutig und gewalttätig. Treffen finden an einem vom Grafen auserwählten Ort statt, ein festes Hauptquartier ist eher unüblich. Der Graf entscheidet über die Politik des Hauses in seiner Stadt und gewährt seinen Mitgliedern Schutz und Unterstützung, allerdings nicht ohne Gegenleistung und in dem Maße, das er oder sie für richtig empfindet.
Vikar: Als Stellvertreter des Grafen gewährleistet der Vikar die Stabilität des Hauses. Seine genauen Befugnisse erhält er dabei vom Grafen, den er bei der Führung des Hauses berät und unterstützt.
Mitglieder: Sämtliche anderen Vampire im Haus des Blutes sind Mitglieder ohne besonderen Titel. Allerdings können sie dennoch bestimmte Aufgaben und Aufträge für den Grafen übernehmen oder auch einfach nur an der Erweiterung ihrer persönlichen Macht arbeiten.
