02.02.2026, 14:06 - Wörter:
Mai 2012
Zahl der Obdachlosen sprunghaft gestiegen - Auslaufen der Winterverträge verschärft Wohnungsnot
Wie die Gazette bereits in Ausgabe 16 berichtete, sind Ende April 2012 die sogenannten Winterverträge zwischen der Hotel- und Motelbranche und dem Fontaine Fonds for Children ausgelaufen. Diese Vereinbarungen hatten es zahlreichen Familien ermöglicht, während der kalten Monate in Hotels und Motels unterzukommen. Eine Verlängerung blieb jedoch in den meisten Fällen aus: Rund 92 Prozent der Betriebe lehnten eine Fortsetzung der Verträge trotz angebotener Ausgleichszahlungen ab.
Begründet wird die Entscheidung seitens des Gastgewerbes mit der beginnenden Hauptsaison. Mit dem milderen Wetter sowie zahlreichen Messen und Veranstaltungen rechnet die Branche mit steigenden Besucherzahlen. Unterkünfte sollen wieder dem regulären Tourismus zur Verfügung stehen. Ein Sprecher aus dem Hotelgewerbe erklärte gegenüber der Gazette, dass eine höhere Auslastung der Zimmer sowie der angeschlossenen Gastronomie- und Wellnessangebote wirtschaftlich notwendig sei. Diese seien von den untergebrachten Familien kaum genutzt worden. Zudem, so der Sprecher, seien Hotels nicht für die langfristige Unterbringung ganzer Familien ausgelegt. Die Kritik an der Entscheidung wies er zurück und verwies auf gefährdete Arbeitsplätze innerhalb der Branche.
Für die betroffenen Familien bedeutet das Auslaufen der Verträge jedoch eine erneute Phase der Unsicherheit. Sozialpädagoge Henry Bing warnte im Gespräch mit der Gazette vor gravierenden Folgen: „Die Winterverträge haben vielen Menschen zumindest vorübergehend Sicherheit gegeben. Nun wissen sie erneut nicht, wo sie schlafen, sich waschen oder ihre Kinder in Sicherheit wissen können.“ Bing rechnet mit einem weiteren Anstieg der Obdachlosenzahlen sowie mit zunehmender Kinderarmut. Auch Arbeitsplatzverluste seien eine mögliche Folge der sich verschlechternden Lebensbedingungen.
Bürgermeister David Fontaine bedankte sich ausdrücklich bei den rund acht Prozent der Betriebe, die weiterhin bereit sind, wohnungslose Familien aufzunehmen und dafür vertraglich vereinbarte Ausfallzahlungen erhalten. Recherchen der Gazette zeigen jedoch, dass es sich dabei überwiegend um Motels an den Stadtautobahnen oder einfache Pensionen handelt, die für Touristen wenig attraktiv sind. Eine Ausnahme bildet das im Mai eröffnende Hotel Pier Point Palace. Nach Angaben aus dem Rathaus werden dort vorrangig Familien mit Kindern untergebracht. Zudem sollen bereits genutzte Schulsporthallen weiterhin als Notunterkünfte dienen.
Die Gazette ruft erneut dazu auf, freie Zimmer oder Wohnräume zu melden – sowohl von Privatpersonen als auch von Gewerbetreibenden. Die Stadtverwaltung hat hierfür eine kostenlose Hotline eingerichtet, über die Angebote und Gesuche koordiniert werden. Nach Einschätzung vieler Beobachter steht die Stadt kurz vor dem befürchteten Kollaps der Notunterbringung. (iy)
Wie wenige am Leid vieler verdienen - Immobiliengeschäfte nach dem Beben geraten in die Kritik
Wachsende Kritik kommt derzeit von Sozialforschern der Universität Dawnskap Bay an Geschäftspraktiken in der Immobilienbranche. Lokale wie auch überregional tätige Investoren würden die seit dem Erdbeben vom Juni 2011 herrschende Wohnungsnot gezielt ausnutzen, um Gewinne zu erzielen. Dadurch, so der Vorwurf, verschärfe sich die soziale Ungleichheit in der Stadt.
Besonders betroffen seien Eigentümer, die über Jahre hinweg für ein eigenes Haus oder eine Wohnung gespart hätten. Viele seien nun gezwungen, ihre beschädigten Immobilien weit unter Marktwert zu verkaufen, da sie die notwendigen Sanierungsarbeiten finanziell nicht stemmen könnten. Neben dem Verlust ihres Eigentums müssten sie erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen.
Vertreter der kritisierten Unternehmen, darunter die lokal tätigen Firmen Nea Zoi Invest und Harper Invest, wiesen die Vorwürfe zurück. Sie argumentieren, dass ihre Investitionen helfen würden, finanzielle Notlagen abzufedern. Dank zahlreicher Investoren könnten Immobilien kurzfristig geprüft, saniert oder neu errichtet werden. Hank Marsden von Nea Zoi Invest erklärte, dass trotz des harten Winters bereits Ende Februar erste Sanierungsmaßnahmen begonnen hätten.
Er verwies zudem auf den im März vom Stadtrat beschlossenen Erlass, der rechtliche Hürden im Wohnungsbau deutlich reduziert. Dieser ermögliche es Investoren, schneller neuen Wohnraum zu schaffen. „Unseren Investoren ist ihre Verantwortung bewusst“, so Marsden. „Wir wollen dazu beitragen, möglichst bald wieder sichere Wohnungen bereitzustellen – gerade jetzt, da viele Menschen ihre Notunterkünfte verlieren.“ (iy)
